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Ängstlich, aggressiv, depressiv – und Neonazi

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Offenbar häuft sich das Phänomen, dass Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen mit rechtsextremistischer Gesinnung einhergehen. «Wir führen keine Statistik«, sagt der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Klinikum Nürnberg, Viktor Herlitz, «doch wir haben solche Fälle immer wieder aus der ganzen Region«. Auch der Leitende Oberarzt der Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit des Universitätsklinikums Erlangen, Oliver Kratz, kennt Heranwachsende, die im Zimmer die Reichskriegsflagge aufhängen, Hakenkreuze am Revers tragen und den Holocaust leugnen. Die Glorifizierung der NS-Jugendkultur und eine völlige Verdrehung der historischen Tatsachen vermischen sich mit Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus zu einem abstrusen Verschwörungsgebäude.

An einen Jugendlichen erinnert sich Kratz besonders. Dieser habe den ehemaligen Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, als Beleg für die jüdische Weltherrschaft herangezogen. «Der Heranwachsende hatte zwar von Politik und Wirtschaft keine Ahnung, aber seine Theorien hat er ohne Sinn und Verstand groß vertreten«, erzählt der Psychiater. Die meisten der jungen Patienten werden nicht in erster Linie wegen ihres rechtsextremen Gedankenguts in der Klinik vorstellig, sondern aufgrund psychischer Beschwerden oder psychotischer Erkrankungen. Im Laufe der Gespräche entdecken Psychiater und Psychologen jedoch, dass sich diese Verhaltensauffälligkeiten auch in latentem oder offenem Rechtsradikalismus äußern.

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