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Superfund: Kurse im Freien Fall und Millionenverluste für Anläger

Nach dem schlechtesten Jahr der Unternehmens­geschichte befinden sich die Fonds von Superfund weiter im freien Fall. Seit Anfang 2009 ging mindestens eine halbe Milliarde US-Dollar an Anlegergeldern verloren. Das Unternehmen wartet mit widersprüchlichen Zahlen auf.
Von Josef Redl

Rudolf Fußi verstand sich schon in jungen Jahren auf den geschickten Umgang mit Medien. Als Vorsitzender der Kleinpartei Die Demokraten initiierte er im Jahr 2002 ein Volksbegehren gegen die Anschaffung von Abfangjägern und sicherte sich für die folgenden Jahre einen Platz in der öffentlichen Wahrnehmung. Während Die Demokraten bald wieder in der politischen Versenkung verschwunden waren, konnte Fußi das Marketing in eigener Sache zumindest dazu nutzen, beim Internet-Videoproduzenten webfreetv.com den Chefsessel zu erklimmen. In letzter Zeit schien Fußi, mittlerweile 31 Jahre alt, das Glück verlassen zu haben. Seine Idee einer Linkspartei zur Rettung der SPÖ fand kaum Anklang, auch sein wenig erfolgreiches Engagement bei webfreetv.com ging kürzlich zu Ende. Seit Kurzem kann sich Fußi endlich wieder verstärkt der Medienarbeit widmen. Mit 1. Jänner hat Fußi die Leitung der PR-­Abteilung des Hedgefonds-Anbieters Superfund übernommen.

Und er hat einiges zu erklären. Die Anlageprodukte der Superfund-Gruppe haben im Jahr 2009 die schlimmsten Verluste der Firmengeschichte eingefahren. Und dieser Trend setzt sich im Jahr 2010 nahtlos fort. Ein großer Teil der in Österreich vertriebenen Fonds hat in den vergangenen 14 Monaten die Hälfte seines Werts eingebüßt. Insgesamt hat das Unternehmen, dessen Investmententscheidungen zur Gänze von einem vollautomatischen Handelsprogramm getroffen werden, eine halbe Milliarde Dollar in den Sand gesetzt.

Über die Gründe für das Versagen rätselt man anscheinend auch intern.
Die aktuelle Ausgabe der hausinternen Publikation „Superfund Performance-Bericht“ lässt jedenfalls ein wenig Ratlosigkeit erahnen. „Gerade im Januar 2010 haben sich mehrere Sektoren gleichzeitig entgegen der Positionierung von Superfund-Fonds entwickelt. Denn selbst in einem ausgewogenen Portfolio nicht-korrelierender Märkte kann und wird es immer wieder vorkommen, dass mehrere Märkte korrelieren“, heißt es dort. Autor dieser Zeilen ist Christian Halper. Also einer, der es wissen müsste.

Gemeinsam mit Superfund-Mastermind Christian Baha hat Christian Halper zu Beginn der neunziger Jahre die Software entwickelt, die auch heute noch die Grundlage für die Superfund-Hedgefonds bildet. Das Computerprogramm soll durch die Analyse von Marktdaten zukünftige Trends – vor allem im Warentermingeschäft – erkennen und von diesen möglichst lange profitieren. Mittels Leerverkäufen können die Superfund-Fonds auch von fallenden Kursen profitieren. So konnte der Hedgefonds-Anbieter auch in verlustreichen Börsenjahren wie 2008 Gewinne schreiben.

Negativtrend. Seit mittlerweile deutlich mehr als einem Jahr scheint es, als ob das System nicht mehr so recht funktionieren würde: Der Großteil der von Superfund aufgelegten Fonds ist gehörig unter Wasser. Das Ausmaß der Verluste ist allerdings nicht ganz klar. Die Informationen aus dem Unternehmen sind widersprüchlich. Auf der Homepage heißt es: „Mit mehr als 50.000 Kunden und einem verwalteten Fondsvermögen von 1,65 Milliarden USD ist die 1995 von Christian Baha gegründete Superfund Investmentgruppe einer der weltweit erfolgreichsten Anbieter von Managed Futures Fonds.“ Zahlen von zeitloser Schönheit. Bereits im Juli vergangenen Jahres gab Superfund-Gründer Baha in einem Interview mit der „Wiener Zeitung“ zu Protokoll: „Wir haben etwa 50.000 Kunden, und per Ende 2008 hat das verwaltete Vermögen rund 1,6 Milliarden Dollar betragen.“ Seit Ende 2008 kennen die Superfund-Fonds aber eben nur eine Richtung: talwärts.

Das Einholen selbst so banaler Informationen wie der Summe des aktuell verwalteten Fondsvermögens gestaltet sich bei Superfund einigermaßen kompliziert. Bei dem Finanzdienstleister scheint man auf Presseanfragen generell eher argwöhnisch zu reagieren. In der Telefonzentrale gibt man nicht einmal die Durchwahl des PR-Leiters bekannt („Das ist bei uns so Policy“). Mündlich wird aber ohnehin kaum eine Auskunft erteilt. Dazu kommt, dass jede schriftliche Anfrage von einem ganzen Team aus Presseleuten und hausinternen Juristen bearbeitet wird. Wer Antworten will, braucht Zeit. „Diese Woche noch? Das könnte eng werden“, heißt es in der Presseabteilung beim Erstversuch gleich einmal prophylaktisch. Das liegt auch daran, dass es kaum einen Bereich im Unternehmen gibt, den Superfund-Gründer Christian Baha nicht persönlich kontrolliert. Jede Sponsorvereinbarung, jede Presseanfrage wandert über seinen Schreibtisch. Blöd nur, dass Baha kaum Zeit in der österreichischen Unternehmenszentrale verbringt. Seinen Wohnsitz hat Baha mittlerweile vom steuerschonenden Monaco ins nicht weniger steuerschonende Zürich verlegt, wo er dem Vernehmen nach derzeit ein ganzes Schloss für seine Bedürfnisse adaptieren lässt. Nach Österreich verfügt Baha sich nur mehr selten. Seit einigen Monaten weilt Baha nun bereits in den USA. Genauer gesagt in New York, wo Superfund ebenfalls eine Niederlassung unterhält.

Immerhin: Nach drei ganzen Tagen antwortet Superfund. Die Zahlen sind ernüchternd. Von den per Ende 2008 verwalteten Anlegergeldern in der Höhe von 1,65 Milliarden US-Dollar waren demnach zu Jahresbeginn 2009 noch 1,24 Milliarden übrig. Das wäre ein Verlust von rund 400 Millionen US-Dollar oder 25 Prozent. Eine ganze Menge.

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Eingetragen von Hansito vor 2 Jahre 14 Wochen
Kategorie: Wirtschaft   Tags:

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