Mitbestimmung ist ein Standortvorteil - Stereotypen sind es ausdrücklich nicht
Welche Überraschung und selbst in dem sozialpartnerschaftlichen Österreich so schwer denkbar: Die Überlegungen in den deutschen Koalitionsverhandlungen zum Abbau der betrieblichen und der Unternehmensmitbestimmung stoßen auf scharfen (!) Widerspruch der deutschen Führungskräfte.
Joachim Betz, Präsident des Deutschen Führungskräfteverbandes ULA warnt die FDP, die von ihren Mitgliedern immerhin zu rund 40 Prozent gewählt wurde:
"Das deutsche Mitbestimmungssystem hat sich bewährt und ist ein Standortvorteil. Wer als eine Lehre aus der Finanzkrise Mäßigung und Langfristorientierung fordert, muss auch die positiven Wirkungen der Mitbestimmung anerkennen".
Und:
"Betriebsräte und Sprecherausschüsse auf betrieblicher Ebene und die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat mit einem Leitenden Angestellten halten die Marktwirtschaft im Gleichgewicht", so Betz weiter.
Betz wies zugleich darauf hin, dass angesichts der immer umfangreicheren Anforderungen an die Aufsichtsräte auch die populistische Forderung nach Verkleinerung nicht das Mittel zur Effizienzsteigerung sein könne.
Dass ökonomische Führungkräfte nicht nur so denken, wie man es sich in dem gängigen antikapitalistischen Klischee vorstellt, das beweist ein verbandseigenenes ULA-Umfragepanel. Aus dem Umfragepanel vor der Bundestagswahl ist nur beispielsweise zu entnehmen, dass der Vorschlag der SPD für einen Informantenschutz von Arbeitnehmern bei Rechtsverstößen des Arbeitgebers (Whistleblower) mit 90 Prozent eine überwältigende Zustimmung bei den Führungskräften findet. Aber da sind noch haufenweise Überraschungen drin.
Stereotype Politik. Es lohnt sich auch für die Politik, sich von Klischees und Stereotypen über die hier genannten hinaus nachhaltig zu lösen. Vorurteile und Klischees sind keine guten Ratgeber und grundsatztreue, loyale und konsequente Interessensvertretung stehen als Instrumente der Rationalität in diametralem Gegensatz zu Kadavergehorsam, Standesdünkel und Korpsgeist.
ULA. Der Deutsche Führungskräfteverband ULA vertritt im Auftrag seiner acht Mitgliedsverbände die politischen Interessen der angestellten Führungskräfte in Berlin und Brüssel. Mit rund 50.000 Mitgliedern bilden die Verbände den größten Zusammenschluss von Führungskräften in Deutschland.
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