Laut "Konsument" eine matte Sache: "Cash or Gold"-Philharmoniker-Anleihe der Erste Bank
Gold gilt als krisensichere Form der Geldanlage. Von der neuen Goldanleihe der Erste Bank sollte man sich jedoch nicht blenden lassen.
Über 1000 Dollar hat die Feinunze Gold (31.1 Gramm) noch vor einigen Monaten gekostet. Derzeit ist sie um 820 zu haben. Die große Frage lautet: Wird der Goldpreis wieder steigen und neue Rekordhöhen erklimmen? Seriöse Prognosen sind dazu nicht möglich. Manche Auguren orten steigende Nachfrage nach Gold und damit höhere Preise.
Scheinbar attraktive Verzinsung
Dazu zählt auch der Goldexperte der Erste Bank. Doch die Goldanleihe „Cash or Gold-Philharmoniker-Anleihe“, die die Sparkassen-Gruppe seit kurzem anbietet, orientiert sich keineswegs an dieser Einschätzung. Denn hier profitieren die Anleger bei starkem Anstieg des Goldpreises nur wenig. Die Anleihe läuft ein Jahr, die Verzinsung beträgt 11 Prozent. Den Basiswert bildet die österreichische Goldmünze „Großer Wiener Philharmoniker".
Die Mindestordergröße liegt bei 2.000 Euro. Die Verzinsung beträgt 11 Prozent. Die Tilgung des Kapitals hängt von der Kursentwicklung des Goldpreises in Euro ab: Liegt dieser am Laufzeitende über dem Ausgabekurs, erhält der Anleger das eingesetzte Kapital zurück. Sollte der Goldpreis sich jedoch negativ entwickelt haben, dann erhält der Investor Philharmoniker-Münzen (gegen Ersatz der Prägekosten, die die Rendite verringern). Somit wird der hohe Zinssatz von 11 Prozent mit einem doppeltem Spekulationsrisiko erkauft.
Unbekannte Größen
Zum einen die Entwicklung des Goldpreises: Sollte dieser fallen, erhält der Anleger nur Goldmünzen zum Preis vor einem Jahr plus 11 Prozent Zinsen. Außerdem muss er auch noch die Prägekosten bezahlen. Diese betragen 5 Prozent. Somit darf der Goldpreis höchstens um 6 Prozent sinken, sonst gibt es für den Anlegen ein Verlustgeschäft.
Die steigende Nachfrage nach Gold ist keineswegs der einzige Faktor zur Preisbildung. Gold wird als Krisenvorsorge gehortet. Daher könnten diese Vorräte angesichts der Finanzkrise auch zu Geld gemacht werden. Mit Gold wird wie mit Aktien spekuliert, was zu starken Preisausschlägen nach oben oder unten führen kann. Nicht zu vergessen die Zentralbanken der einzelnen Staaten. Auch sie horten Vorräte oder stoßen diese wieder ab. Angesichts der geringen Menge von Gold auf dem Markt wird dadurch die Preisentwicklung erheblich beeinflusst.
Mögliche Währungsschwankungen
Das zweite Risiko betrifft den Wechselkurs Euro-Dollar. Der Goldpreis wird traditionell in Dollar abgerechnet. Bei dieser Anleihe entscheidet am Ende jedoch der Goldpreis, wie er in Euro berechnet wird. Ein Goldpreisanstieg wirkt sich also prozentuell weniger aus, wenn ein Euro - so wie derzeit - mehr wert ist als der Dollar. Auch dieses Entwicklung und das damit verbundene Währungsrisiko lässt sich nicht vorhersagen.
Fall der Goldpreis Ende 2009 tatsächlich exorbitanten Höhen erreichen sollte: Der Besitzer der Anleihe hat nicht allzuviel davon. Er kassiert zwar 11 Prozent Zinsen, lukriert aber nicht den vollen Preisanstieg. Hier bleibt der Gewinn bei der Bank. Dass bei einem Sinken möglichweise ein Verlustgeschäft droht, haben wir schon erwähnt.
Unser Fazit
Trotz der Verzinsung von 11 Prozent ist diese Anleihe keine sichere Bank. Sie rechnet sich nur, wenn sich der Goldpreis binnen Jahresfrist in einer relativ engen Bandbreite bewegt: Von -1,5 bis + 16 Prozent Änderung (16 Prozent deswegen, weil die Prägekosten im Ankauf der Philharmoniker-Münze ja im Vergleich mit berücksichtigt werden müssen). Wer die Meinung der Erste Bank teilt, dass der Goldpreis im nächsen Jahr stark steigt, sollte Gold besser direkt kaufen. Und wer hier pessimistisch ist, ist mit einem Kapitalsparbuch auf der sicheren Seite. Das bringt zwar weniger Verzinsung, die aber sicher.
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