Euro-Risse werden immer tiefer - Finanzmarktkrise - derStandard.at
Die Eurozone zwischen Boom und Rezession: Die massiven Wachstumsunterschiede werden zur Gefahr für die Steuerung der Währungszone
Das Europa der zwei Geschwindigkeiten - was politisch seit langem debattiert wird, ist in einem zentralen Bereich schon Realität, bei den Wirtschaftswachstumsraten nämlich, die innerhalb der EU und noch stärker in der Währungsunion immer weiter auseinanderklaffen. Für den Euroraum, ohnehin durch die Staatsschuldenkrise und den damit verbundenen Argwohn der Finanzmärkte schwer angeschlagen, lauert damit die nächste Gefahr.
Ökonomen verweisen zusehends darauf, dass die unterschiedlichen Tempi den Zusammenhalt der Zone erschweren. Einerseits geht die Schere bei der Wettbewerbsfähigkeit weiter auseinander, andererseits agiert die Europäische Zentralbank zunehmend im luftleeren Raum: Sie kann ihre Geldpolitik auf die schwächeren oder stärkeren Staaten ausrichten oder die Mitte anpeilen - für alle passen werden die Maßnahmen der Institution nie. Dazu kommt die Gefahr, dass die angeschlagenen Staaten mit ihren Sparpaketen das Wachstum derart abwürgen, dass das eigentliche Ziel - die Sanierung der Haushalte - in weite Ferne rückt.
Wiederholung der Geschichte
"Die Geschichte scheint sich zu wiederholen", meint der Ökonom Ansgar Belke. Von 1999 bis 2006 lag der Realzins (Nominalzins abzüglich Inflation) in Deutschland durchschnittlich 1,7 Prozentpunkte über dem spanischen. "Die niedrigen Zinsen in Spanien führten zur Immobilienblase", erklärt der Professor für Makroökonomie an der Universität Duisburg-Essen im Gespräch mit dem Standard. Jetzt seien die Vorzeichen exakt umgekehrt. Deutschland mutierte vom "kranken Mann" zum Konjunkturmotor, Spanien oder Italien stagnieren, Griechenland und Portugal stecken tief in der Rezession fest. "Deutschland könnte schon eine Zinserhöhung vertragen", findet Bernhard Felderer, der Leiter des Instituts für Höhere Studien. Für andere Regionen sei der geldpolitische Rahmen "nicht locker genug", wie Belke assistiert.
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