War Simon Wiesenthal ein Mossad-Agent?
Eine Biographie über den sogenannten Nazijäger Simon Wiesenthal könnte in Österreich Wellen schlagen. Sie enthüllt, dass Wiesenthal einige Zeit ein Agent des israelischen Geheimdienstes Mossad war. Das Buch soll in zwei Wochen in Österreich präsentiert werden.
Buch erscheint in drei Sprachen
Der Mann und der Mythos Simon Wiesenthal – das ist der Gegenstand einer Biographie des renommierten israelischen Historikers Tom Segev. Das Buch erscheint jetzt fast gleichzeitig auf Hebräisch, Englisch und Deutsch – und es enthält brisante Enthüllungen über den Mann, der ein kleines Büro in Wien hatte und als so genannter Nazijäger weltbekannt war. Die israelische Zeitung Haaretz hat heute Vorinformationen darüber abgedruckt.
Agent des Mossad
Demnach agierte Wiesenthal bei seinen Versuchen, Naziverbrecher aufzuspüren, nicht alleine, sondern er war 10 Jahre lang ein bezahlter Agent des israelischen Geheimdiensts Mossad. Wiesenthal habe 300 Dollar im Monat erhalten, und der Mossad habe 1960 die Errichtung des Büros finanziert. Wiesenthal habe auch einen israelischen Pass bekommen, obwohl er kein israelischer Staatsbürger war.
Jagd auf Adolf Eichmann
Schon 1948 habe es unter Wiesenthals Mitwirkung einen Versuch gegeben, in Österreich den Naziverbrecher Adolf Eichmann zu schnappen. Drei Mossad-Agenten und auch die österreichischen Sicherheitsbehörden seien beteiligt gewesen. Man habe Eichmann in Altaussee aufgelauert, wo seine Frau und seine Kinder damals lebten. Doch anders als erwartet kam Eichmann zu Weihnachten nicht auf Besuch. Eichmann wurde schließlich erst 12 Jahre später aus Argentinien entführt und nach einem Prozess in Israel hingerichtet.
Hinweise über flüchtige Nazis
Wiesenthal soll dem israelischen Geheimdienst auch Informationen über die Aktivitäten flüchtiger Nazis in arabischen Ländern geliefert haben, insbesondere über deutsche Raketenwissenschaftler, die für Ägypten arbeiteten.
Wiesenthal in Österreich umstritten
Wiesenthal hat fünf Konzentrationslager überlebt. Er ist 2005 im Alter von 96 Jahren in Wien gestorben und wurde in Israel begraben. Er wurde in Filmen zum Helden verklärt, in Österreich war er vielen Anfeindungen ausgesetzt, im hohen Alter wurde er aber für seine Verdienste um die Republik ausgezeichnet. Der Autor Segev hat Briefe, Geheimdienstakte und viele andere, bisher unbekannte Originalquellen, durchgearbeitet.
Konflikt Kreisky - Wiesenthal
Für Österreich besonders interessant sind die Durchleuchtung von Wiesenthals Rolle in der Waldheim-Affäre und Dokumente über den bitteren Konflikt zwischen Wiesenthal und dem früheren Bundeskanzler Bruno Kreisky. Kreisky hat Wiesenthal demnach intensiv bespitzeln lassen. Segev glaubt, dass Wiesenthal als in Galizien geborener Altösterreicher ein „österreichischer Patriot“ war – das sei der Grund, warum er sich in Wien niedergelassen habe.
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