TP: Der irre Prophet
Jetzt hat auch die palästinensische Jugend gesehen, dass Gaddafis Kampfflugzeuge dem Aufstand kein Ende setzen können und dass der Perlenplatz in Bahrain sich nicht leert, wenn die Soldaten des Königs das Feuer eröffnen
"Warum strömen die Massen nicht auch hier auf den Platz und werfen Bibi raus?", fragte mein Taxifahrer, als wir am Rabin-Platz vorbeifuhren. Der große Platz war, abgesehen von ein paar Müttern und ihren Kindern, die sich an der milden Wintersonne erfreuten, fast leer.vDie Massen werden nicht auf den Platz strömen, und Binyamin Netanyahu kann nur über die Wahlurne abgesetzt werden.vWenn dies nicht geschieht, können die Israelis nur sich selbst die Schuld geben.
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Wenn die israelische Linke nicht in der Lage ist, eine ernst zu nehmende politische Kraft zu schaffen, die Israel auf den Weg zu Frieden und zu sozialer Gerechtigkeit bringt, kann es nur sich selbst die Schuld geben. Wir haben keinen blutdürstigen Diktator, den wir für verantwortlich halten können. Kein verrückter Tyrann wird seiner Luftwaffe den Befehl geben, uns zu bombardieren, wenn wir seine Absetzung fordern.
Eine Geschichte war hier einmal im Umlauf: Ariel Sharon – damals General in der Armee – versammelte das Offizierskorps und sagte zu ihm: "Kameraden, heute Nacht werden wir einen Staatsstreich machen!" Alle versammelten Offiziere brachen in lautes Gelächter aus.
Demokratie ist wie Luft – man spürt sie nur, wenn sie nicht da ist. Nur eine Person, die am Ersticken ist, weiß, wie wichtig sie ist.
Der Taxifahrer, der so frei über das Hinauswerfen von Netanyahu sprach, fürchtete sich nicht, dass ich ein Agent der Geheimpolizei sein könnte und es in den frühen Morgenstunden ein Klopfen an seiner Tür geben wird. Ich schreibe, was immer mir in den Sinn kommt, und habe keine mich begleitenden Leibwächter. Und wenn wir uns entscheiden würden, uns auf dem Platz zu versammeln, würde uns keiner daran hindern, ja, die Polizei würde uns sogar beschützen. (Ich spreche natürlich über Israel in seinen rechtmäßigen Grenzen. Nichts davon ist in den besetzten Gebieten gültig.)
Wir leben in einer Demokratie, atmen Demokratie, ohne dessen recht bewusst zu sein. Für uns ist es natürlich und selbstverständlich. Deshalb geben Leute bei allgemeinen Meinungsumfragen dumme Antworten, und aus den Umfragen werden dramatische Schlussfolgerungen gezogen, dass die Mehrheit der israelischen Bürger die Demokratie verachtet und bereit ist, sie aufzugeben. Die meisten der Befragten haben nie unter einem Regime gelebt, in dem eine Frau fürchten muss, dass ihr Mann nicht von der Arbeit nach Hause kommen wird, weil er über den obersten Führer einen Witz gemacht hatte, und dass ihr Sohn verschwinden könnte, weil er Graffiti an eine Wand gemalt hatte.
Die Knessetmitglieder, die bei demokratischen Wahlen gewählt wurden, verbringen ihre Zeit mit einem Spiel: Wer kann die grauenhaftesten rassistischen Gesetzesvorlagen entwerfen? Sie ähneln Kindern, die Fliegen die Flügel ausreißen, ohne zu verstehen, was sie tun.
Für all diejenigen habe ich einen Rat: Seht, was in Libyen geschieht.
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