Laos: Der Blick der tausend Buddhas
Der Mönch sitzt im Strahl der Morgensonne wie ein in Bronze gegossener Buddha da. Regungslos kniet ein Paar vor ihm, die Hände zum Wai geschlossen. Eine kleine alte Frau kauert hinter ihnen, die Hände zur Fürbitte hoch über den Kopf erhoben. Hilfe erflehen sie hier inmitten von Opfergaben und umhüllt vom harzigen Duft der Räucherstäbchen. Der kahlgeschorene Mann in der safranfarbenen Robe erteilt die Segnung in beschwörendem Singsang. Später wird er ihnen weiße Bänder über das Handgelenk streifen, um den Bann des Bösen, das sie heimsuchte, zu brechen - in aller Innigkeit und Öffentlichkeit des Vat Si Muang. Farbenfroh überragt der Sim, die Ordinationshalle des buddhistischen Klosters, einen Park im Zentrum der laotischen Hauptstadt Vientiane. In der Tiefe seiner grünschimmernden Wände und goldglänzenden Säulen erhebt sich ein Lingam, ein hinduistisches Phallussymbol. Der für uns kaum zu entschlüsselnde Ort religiöser Einkehr nährt sich aus vielen Quellen, Mythen und spirituellen Legenden. Es ist ein volkstümlicher Platz, auf dem Menschen beten, Früchte, Kerzen, Klebreis, Blumen opfern, Wünsche aussprechen, Schwangere eine gute Niederkunft erbitten und die drei Kauernden nun den Sim verlassen.
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