Die letzten Worte von 395 Hingerichteten: Erschütternde Dokumente
Nach Jahren in der Todeszelle haben die meisten Verurteilten schon lange vor der Hinrichtung mit ihrem Leben abgeschlossen.
Der US-Bundesstaat Texas ist bekannt für die kompromisslose Handhabung der Todesstrafe. Seit jeher wird darüber auch penibel Buch geführt - bis zur Veröffentlichung der Kosten (86,08 Dollar (58,87 Euro)). Neu ist, dass die letzten
Der US-Bundesstaat Texas ist bekannt für die kompromisslose Handhabung der Todesstrafe. Seit jeher wird darüber auch penibel Buch geführt - bis zur Veröffentlichung der Kosten (86,08 Dollar (58,87 Euro)). Neu ist, dass die letzten Worte aller Hingerichteten nachzulesen sind.
Seit einem Jahr wurde die Datenbank befüllt, nun ist sie auf aktuellem Stand. Das Abtippen brauchte Zeit: Es wurden die Äußerungen aller 441 Hingerichteten erfasst, seit Texas am 7. Dezember 1982 erstmals einen Verurteilten durch eine Giftspritze tötete.
Bis zum Schluss mitgeschrieben
Von 46 Hingerichteten sind keine letzten Worte überliefert. Bei den anderen 395 wurde jedes Detail mitgeschrieben, auch wenn diese die Frage nach einem "Last Statement" nur schweigend verneinten: "Der Verurteilte lehnt es ab, eine letzte Erklärung abzugeben."
Wie der erste erfasste Verurteilte Charlie Brooks beten viele in ihren letzten Minuten. Die Gospelgesänge des 2008 hingerichteten Alvin Kelly wurden mitgeschrieben, bis sie verebbten: "(leise singend) Danke, Herr Jesus (...) Danke Herr Jesus, dass Du an mich denkst ..."
Mit dem Leben schon lange abgeschlossen
Fast alle Verurteilten scheinen nach oft Jahren in der Todeszelle mit ihrem Leben abgeschlossen zu haben - was sich selbst aus so knappen Aussagen ablesen lässt wie: "Ich gehe jetzt an einen schönen Ort. Okay, Wärter, mach' Dein Ding" (Ignacio Cuevas, 1991).
Meist wenden sie sich auch an die eigene Familie und an Angehörige ihrer Opfer - oder angeblichen Opfer, da viele ihrer Unschuld bis zum letzten Moment beteuern, wie Elkie Taylor, der wegen des Mordes am 64-jährigen Otis Flake am 6. November 2008 hingerichtet wurde.
"Ich gehe heim"
"Hallo, braucht Euch um nichts Sorgen zu machen. Ich gehe heim. Ich hoffe, Euch alle einmal zu sehen. Herr, sei meiner Seele gnädig. Für die Flake-Familie: Bleibt stark. Es ist schlimm, einen Mann für etwas sterben zu sehen, das er nicht getan hat", sagte Taylor.
Auch er blieb jedoch ruhig: "Ich nehme das wie ein Mann, wie ein Krieger. Ich gehe heim zu Jesus. Ich liebe Euch alle zusammen, Frieden. Ich bin bereit, Sir ... Vergesst nicht, es meiner Tochter zu erzählen ... Ich bin bereit, Wärter", sagte der 46-Jährige.
"Packen wir's"
Auch der 1995 hingerichtete Carl Johnson betonte seine Unschuld, obwohl er es bei einer der kürzesten aufgezeichneten Aussagen in der Datenbank bewenden ließ: "Ich will die Welt wissen lassen, dass ich unschuldig bin und dass ich meinen Frieden gemacht habe. Packen wir's."
Nur selten geht aus den Worten Verbitterung hervor, etwa aus jenen von James Jackson im Februar 2007: "Wir sehen uns drüben. Wärter, ermorde mich." Ein Dokument purer Verzweiflung sind umgekehrt etwa die letzten Worte von Raymond Kinnamon am 11. Dezember 1994.
"Bin nicht bereit zu gehen"
Nach Grußbotschaften an seine Familie und den Ankläger in seinem Verfahren sagte Kinnamon: "Ich bin nicht bereit zu gehen, aber ich habe keine Wahl. Ich habe einige Briefe an meine Familie geschrieben, sie werden sehr bewegend sein, wenn Ihr sie bekommt."
"Ich möchte noch einmal meinen Buben auf Wiedersehen sagen. Ich weiß, ich habe jemanden ausgelassen", setzte Kinnamon fort und bedauerte, dass er nicht das Vokabular habe, um zu sagen, was er wolle, "weil ich in den Gefängnissen von Texas aufgewachsen bin".
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