Werner Faymann - Im Netzwerk gefangen
Ein Siebzehnzeiler mit der Einleitung „das Ergebnis ist für die SPÖ unerfreulich ...“, tags darauf ein knapper O-Ton im Radio mit der Bitte um Zusammenhalt in dieser schweren Stunde.
Nein, es war und ist nicht die beherzte Konfliktbereitschaft, mit der Werner Faymann punktet. Daran kann ein Wahlsonntag, der den Sozialdemokraten eine historische Niederlage beschert hat, erst recht nichts ändern.
Es waren andere Eigenschaften, die den 49-jährigen Wiener vergangenen Sommer in den Augen seiner Parteifreunde dazu prädestinierten, den in Ungnade gefallenen Kanzler und Parteichef Alfred Gusenbauer zu ersetzen. Ausgefeilte Netzwerktechnik, taktisches Geschick und Offenheit für Anregungen haben Faymann zum Hoffnungsträger seiner Partei gemacht.
Nur ein halbes Jahr nach dessen Dienstantritt im Kanzleramt sehen die Befunde der roten Granden ganz anders aus. In deren Augen hat das Zusammenspiel von Faymanns Netzwerk und Beratungsfreudigkeit fatale Tücken. Eine Erkenntnis, die sich schlagartig anhand der Debatte um „Reichensteuern“ erschlossen haben soll: Als lang ersehnte Profilschärfung dankbar von Partei und Gewerkschaft aufgenommen, wurden die kreativen Beiträge zu neuen Formen der Vermögensbesteuerung vom Parteivorsitzenden in einer internen Arbeitsgruppe entsorgt. Ein Ergebnis der Beratungen mit „Krone“-Chef Hans Dichand, so die verdichtete Mutmaßung in der SP. Jedenfalls hält Faymanns greiser Wahlonkel gar nichts vom Schröpfen reicher Mitbürger.
Seither sind es gerade diese einst vom Wohnbaustadtrat Werner Faymann geknüpften Kontakte, die nun Misstrauen schüren. Im Schock des EU-Wahlergebnisses war schon vom an das Kleinformat „verkauften“ Parteiprofil die Rede.
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