Vom abstrakten Nazi, der Vergesslichkeit und dem spielerischen Ausprobieren
Toller Artikel von Blumenau zur Natinalratswahl, das Erstarken der Rechten bzw. das grundeln von SPÖ und Grünen. Ein möglicher Ansatz zum aktuell bejammerten jugendlichen Wahlverhalten.
Der zentrale Punkt ist die Vergesslichkeit. Und zwar die kollektive, die von ganzen Generationen (darauf komm' ich noch), ebenso wie die kurzzeitige (zu der sofort).
Zuerst: ich kann die Erregung über das Wahlergebnis nicht so ganz nachvollziehen.
Im Wesentlichen ist es nämlich die Wiederholung des Resultats von 1999, als sich ganz Österreich gefrustet von einer zutiefst stagnierenden Koalition in Weltschmerz flüchtete und seinen Hooligan-Gelüsten per Stimmabgabe Ausdruck verlieh. Da ist per se nichts Böses dabei: ein jeder im kakophonischen Publikum soll schreien und toben, soviel er will. (...)
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Abhanden gekommene Sprache:
Red Hat vor 3 Jahre 33 Wochen 4 Tagen 2 Stunden
Abhanden gekommene Sprache: Da hat er aber m.E. Recht, finde ich.
Ich ärgere mich seit den frühen Neunzigern über die abhanden gekommene Sprache der SPÖ. Nix als Floskeln, die dann in Begriffen wie "Chancengleichheit", "Chancengesellschaft" "Wir müssen den Menschen das Gefühl geben, dass ..." und ähnlichen Unfug münden.
These: Die Floskelei und Phrasendrescherei funktioniert in einem Zwei-Parteien-System wie etwa in den USA. Da gewinnt der mit den schönsten Wörtern, weil die Leute ja keine andere Wahl haben. Spricht hierzulande eine 3. oder 4. Partei in klaren Worten eine klare Sprache, zieht sie die Leute an ihre Seite.
Hat man im Wahlkampf irgendwas gehört von der SPÖ, dass sie stolz auf die Senkung der Arbeitslosenzahlen wäre, dass Top-Mamanager zu viel verdienen, dass das Wohlergehen der Menschen oberste Prämisse sein muss und nicht die Kapitalanhäufung usw. usf.
Ich habe nichts dergleichen gehört von der SPÖ in den letzten 20 Jahren, sondern nur sinnentleertes Geschwafel. Und das ist und wird für diese Partei ein Problem werden. Es hört ihr niemand mehr zu - zu Recht, wie Blumenau sagt.
Der SPÖ ist ja nicht nur
sarah vor 3 Jahre 33 Wochen 4 Tagen 1 Stunde
Der SPÖ ist ja nicht nur ihre Sprache, sondern auch ihre gesellschaftspolitische Zielsetzung abhanden gekommen. Wie soll eine Partei nach außen tragen, wofür sie intern schon keinen Begriff mehr hat.
Blumenau ist ein Inbegriff
sarah vor 3 Jahre 33 Wochen 4 Tagen 18 Stunden
Blumenau ist ein Inbegriff des berufsmässig ewig Jugendlichen und es ist insofern kein Wunder, dass er sich in dem Artikel zu den Fürsprecher der U30 aufschwingt. Allerdings geht er in seiner unbedingten Verbundenheit soweit das Wahlverhalten von EINEM VIERTEL der U30 Österreichs zur Denkungsart des 21. Jahrhunderts zu erklären. Und das geht mir zu weit.
Irgendwo spricht der dann von der angeblichen Sachpolitik, die das rechte Lager vertrete, angenehm anders als der "Ideologiekäse" der restlichen Parteien. Er vergisst dabei nur, dass das rechte Lager eine sehr hermetische ideologische Unterfütterung hat, das Nationale, das nur von niemanden in Frage gestellt wird und somit ideologieleer erscheinen kann. In der Betonung des Österreichischen als ungetrübt positiver Bezugspunkt gleichen sich ÖVP/SPÖ und der Rechtsblock.
Was ja nicht gleich Xenophobie bedeuten müsste, aber von den Parteien immer wieder verknüpft wurde. Gerade hinsichtlich Arbeitsmarkt waren die Gewerkschaften maßgeblich an der Gedankenverknüpfung von Arbeitslosigkeit und "Ausländer" beteiligt. Das letzte Beispiel kommt aus der SPÖ: "Österreichische Lehrlinge vor ausländischen Facharbeitern". Wenn nun die FPÖ gerade bei Jugendlichen in oder auf der Suche nach einer Berufsausbildung punktet, dann bestimmt nicht nur deshalb, weil ihre KanditatInnen schon über einen Facebookeintrag verfügen.
Zumindest weist Blumenau irgendwo tadelnd darauf hin, dass die Positionen der Großparteien nicht greifbar sind. Also ein wenig Politik ist dann doch erlaubt, sogar mit "Zukunfts-Option".
Aber wenn Blumanau dann zu einer fast verzückten Beschreibung der jugendnahen "Super-Kommunikatoren" Strache und Haider (der übrigens bei den U30 nicht punktete) übergeht, dann bleibt auch wieder nur der Ruf nach besseren Werbestrategien übrig. Das ist weder neu, noch erhellend. Ewig auf die Gefühlsebene der Umworbenen abzuzielen, nimmt diese als demokratisch Mitentscheidende nicht gerade ernst. Sie sollen ja nicht mitdenken, sondern nur mitfühlen. Das hat wenig mit einer demokratischen Öffentlichkeit zu tun. Kommunikation ist erst dann demokratisch, wenn nicht nur zu mir gesprochen wird. Aber auch die Möglichkeit mitzureden ist nicht ausreichend, wenn damit keine Mitgestaltungsmöglichkeit verknüpft ist. Und da halte ich facebook/twitter/... demokratiepolitisch für maßlos überschätzt.
Red's in a Sackl, mein Mitarbeiter hört sichs dann an.