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Verstehen Sie Politik?

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Wie schlecht die Texte sind, die Deutschlands Ministerien ins Internet stellen, hat die Kommunikationswissenschaftler selbst überrascht: "Möglichst wenig Fremdwörter, kurze Sätze, einfache Satzstruktur und ein logisch aufgebauter Text mit Zwischenüberschriften - das sollte bei komplexen Inhalten und gerade im Internet Standard sein", so Kommunikationswissenschaftler Jan Kercher. Doch in Berliner Ministerien scheint sich das noch nicht herumgesprochen zu haben - und wie wir alle leidvoll wissen: nicht nur dort!

Ein Beispiel: "Das Bundeskabinett hat heute den Entwurf einer Formulierungshilfe für einen Änderungsantrag zur Ausweitung der Schutzklausel bei der Rentenanpassung beschlossen." Das ist der Einstiegssatz des Info-Textes Schutz vor Rentenkürzungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. "Alle Klarheiten beseitigt?" fragt Dr. Anikar Haseloff, Experte für Usability- und Verständlichkeitsforschung am Lehrstuhl von Prof. Dr. Frank Brettschneider. "Wer diesen Satz liest, hat schon längst weggeklickt. Denn der Satz besteht fast nur aus Substantiven."

Ihren Testpersonen legten Kercher und sein Projekt-Team die folgende optimierte Version zum Vergleich vor: "Die Bundesregierung hat heute den Entwurf zu einem Gesetz beschlossen, das die Höhe der Rente schützen soll." Verständnis-Gewinn bei den Testpersonen: in diesem Fall über 50%.

Durchgeführt wurde die Studie im Rahmen eines Forschungsprojektes, das sich speziell mit der Verständlichkeit von Parteien und Politikern beschäftigt. Dazu durchforstete Kercher mit seinen Kollegen die Internet-Auftritte aller 14 Bundesministerien und des Bundeskanzleramts und suchte kurze, aber unverständliche Texte aus. Mit einer spezieller Analyse-Software identifizierten die Forscher die schlimmsten sprachlichen Untiefen, um dann die Texte zu optimieren.

Verblüfft hat die Experten ein weiteres Ergebnis der Studie: Der Verständnis-Gewinn war für alle Teilnehmer ähnlich groß. "Ob mit höherer Bildung oder ohne, mit oder ohne Interesse für Politik: Alle untersuchten Wählergruppen profitierten von dem verbesserten Text", so der Leiter der Studie.

EU-Wahlprogramme. Das Communication Lab Ulm hatte in Kooperation mit der Universität Hohenheim und WebWorks bereits eine Studie durchgeführt bei der die EU Wahlprogramme der deutschen und österreichischen Parteien genau unter die Lupe genommen wurden. Mit zum Teil drastischen Ergebnissen: wer sich aktiv mit den Wahlprogrammen der Parteien auseinandersetzen will, muss über eine hohe formale Bildung verfügen und profundes politisches Fachswissen mitbringen.

"Einige der Programme sind fast so schwierig zu lesen wie eine politikwissenschaftliche Doktorarbeit", kommentiert Professor Brettschneider vom Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft an der Universität Hohenheim die Ergebnisse der Studie.

Die Wissenschafter haben die Latte der Verständlichkeit mit dem Polit-Teil der deutschen "Bild-Zeitung" gelegt. Erreicht wurde sie von den Parteien allerdings nicht. Am ehesten kam das BZÖ hin, dessen Programm Menschen mit Pflichtschulabschluss verstehen sollten. Für das Papier der FPÖ ist schon Berufsschulniveau notwendig, den Folder der Liste Martin sollte ein Gymnasiast in der 7. Klasse kapieren, die Programme von ÖVP und Grünen ein Achtklässler. Die SPÖ-Grundsätze sind im Maturaniveau verfasst, den KPÖ-Unterlagen sollten Studenten noch folgen können, und jene der Julis sind mit einer Doktorarbeit vergleichbar.

Konträr zu den Inhalten war jedenfalls die Kommunikation am rechten Rand am besten. Auch das gehört zu den Politik-Fehlern aus denen man lernen darf. Aber leider unterwirft sich die Politik häufiger den dummen rechten Inhalten als der Forderung nach einer verständlichen Sprache.

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Eingetragen von VORarlbergWÄRTS vor 2 Jahre 38 Wochen
Kategorie: Österreich   Tags:

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