Tiroler Sommerfrischen-Antisemitismus: Wo bleiben die Behörden?
In einem Bericht der Tiroler Tageszeitung wurde kürzlich gemeldet, dass einer Wiener Familie bei der Zimmersuche für einen 14-tägigen Sommerurlaub im Tiroler Ort Serfaus in einer E-Mail vom "Haus Sonnenhof" mitgeteilt worden, dass die gewünschte Ferienwohnung zwar noch frei sei, man jedoch wegen "schlechter Erfahrungen" keine jüdischen Gäste mehr aufnehmen wolle. Offenbar hat das Hotel schon vom Namen auf die Rasse geschlossen, wiewohl es sich dabei gründlich geirrt hatte. Gibt es einen schlagenderen Beleg für Vorurteile und blinden Rassenhass. Die Behörden haben hier rasch zu handeln und derartigen braunen Apartheid augenblicklich zu unterbinden und zu ahnden!
Sommerfrischen-Antisemitismus. Bekannt ist, dass bereits 1920 auch Arnold Schönberg den wachsenden Antisemitismus zu spüren bekam. Als er in Mattsee den Sommer verbrachte, forderten dort Plakate die Juden auf, die Stadt zu verlassen. Auch Schönberg sollte seinen christlichen Glauben nachweisen. Schönberg, obwohl protestantisch getauft, reiste ab.
Der Sommerfrischen-Antisemitismus übertraf in der Zwischenkriegszeit in Österreich den deutschen bei weitem. Hier ging die Agitation auch zentral von Tourismusorganisationen und Fremdenverkehrsvereinen aus. Die Vorreiterrolle übernahm damals schon ein Tiroler Ort, Kitzbühel in Tirol, wo schon1897 der Fremdenverein beschloss: "Anfragen von Juden haben unberücksichtigt zu bleiben." Auf den Ferienprospekten des Ortes war ein entsprechender Aufdruck zu lesen. Der Ort Tragöß ließ 1908 Bänke aufstellen mit der Aufschrift "Für Juden und Judensprösslinge kein Platz". Pöllau bezeichnete sich als "arische Sommerfrische ersten Ranges", andere Sommerfrischen bewilligten "den Aufenthalt nur Ariern", in der Wachau und in Schladming waren "Juden nicht erwünscht". Mitunter hieß es etwas diskreter "Angenehmer Aufenthalt für christliche Familien".
"Mit rund 60 bis 70 lag allein die Zahl der "judenreinen" Sommerfrischen in Österreich mehr als doppelt so hoch wie im Deutschen Reich, und die inflationäre Verwendung des Wortes "arisch" machte deutlich, dass die meisten Orte gar nicht erst versuchten, ihren Rassenantisemitismus hinter dem Mantel der "Christlichkeit" zu tarnen." Auch die antisemitischen Gemeinderatsbeschlüsse hatten im Deutschen Reich kein Pendant und stellten einen klaren Verfassungsbruch durch eine öffentlich-rechtliche Körperschaft dar.
Eine besondere Entfaltung des Sommerfrischen-Antisemitsmus der Vorkriegszeit war auch der Alpinismus. Auf Alpenvereinshütten war zu lesen: "Hunden und Juden ist der Eintritt verboten".
Wenig bekannt ist, dass der Schwiegervater von Albert Schweitzer bei der Eröffnung der Straßburger Hütte in Vorarlberg als Alpenvereinsmitglied anwesend war. Der anerkannte jüdische Wissenschafter hatte den antisemitischen Streitschriften des Heinrich von Treitschke (wie auch z.b. Mommsen) widersprochen. Dabei lohnt sich auch heute ein Blick in diese Streitschrift. Man wird augenblicklich erkennen, dass dort dieselben fadenscheinigen Argumente von der Nichtintegrationswilligkeit der Juden verwendet werden, wie sie heute gegen Türken und Muslime in Stellung gebracht werden. Die heutigen Anti-Islam-Parolen sind die Fortsetzung des Antisemitismus mit seinen fürchterlichen Folgen bis in die heutigen Tage. Nichts anderes!
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