Sommerchaos bei den Wiener Grünen
Die Grünen sind bekanntlich a) unfähig zum breiten Erfolg unter der Wählerschaft und b) masslos verliebt in ihre internen Diskussionen. Dass das eine irgendwie mit dem anderen zusammenhängt, wird man vielleicht noch sagen dürfen.
Was nun die interne Debatte der Wienerischen Grünen betrifft, degradieren uns die Medien seit Wochen zu Zaungästen eines vollkommen unterirdischen Vorwahlgezetters. Da hat sich ein wackeres Häuflein studentischer Netzaktivisten und Grünen-Stammwähler in den Kopf gesetzt, das im Herbst anstehende Kandidatenhearing für die nächste Landtagswahl aufzumischen. Seither steht der Parteiappart Kopf. Wirre, rätselhafte Reden, Schreikrämpfe, wilde Bewegungsspiele und durchlöcherte Begriffssprache haben Einzug in Büros, Versammlungslokale und Bloggs gehalten. »Dürfen denn die das?«, wollen die Altvorderen von den Rebellen wissen. »Droht eine feindliche liberale Übernahme?« Usw. usf.
Die Ängste vor einer Öffnung der Grünen Partei sind traditionell gross. Wie bei allen anderen Wahlvereinen bestimmen auch bei den Ökos uralte Seilschaften, private Loyalitäten und freundliche geschäftliche Gefälligkeiten die Struktur der Funktionärshierarchie. Als ich kürzlich 1.200 Bücher für den Sozialflohmarkt der Brigittenauer Bezirksorganisation stiftete, gab es nicht einmal den im Höfflichkeitshandbuch vorgeschlagenen feuchten Händedruck als Dankschön. Stattdessen sandte mir die Bezirksorganisation einen pensionierten Buchhändler, der die Spende entgegennahm und die Ware auch gleich begutachten sollte. Der gute Mann schwärmte mir zehn Minuten lang von seiner ausgedehnten Büchersammlung zu Hause vor und verschwandt dann eilends mit meinen Kisten. Man geht wohl kaum fehl in der Annahme, dass die Rosinen aus der Stiftung des Bücher-Konvolutes nie das Licht eine Sozialflohmarktes erblickt haben.
Ein marginales Beispiel, gewiss, aber durchaus mit Modellcharakter für den Filz einer Partei, deren Funktionäre überhaupt nicht mehr zu einer Volkspartei werden möchten. Man hat sich im Lauf der Jahre bequem in einem Menschenbild eingerichtet, das sich in klugem Geben und Nehmen erschöpft und sich auch im Kleinen nicht mehr abzugrenzen vermag von den kommerziellen Tendenzen der Gegenwart.
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