Kreuz.net "türkt" weiter: Vatikandokument gefälscht
Von allen Seiten wird die Katholische Kirche bedrängt und kaum eine Verfehlung eines Kirchenfunktionärs, die nicht die Öffentlichkeit erreicht. Aber was keine Website der härtesten Kirchengegner schafft, schafft "kreuz.net". Ein Sammelsurium rechtsradikaler und antisemitischer Lügen und Verschwörungstheorien in "katholischer" Tarnkappe.
Grüß Gott in Linz. Auch in Österreich Aufsehen erregt hatte Kreuz.net mit der frei erfundenen Lüge, dass Kinder in Schulen in Linz angewiesen worden seien, nicht mehr mit "Grüß Gott" zu grüßen, da es muselmanische Mitschüler beleidigen könnte. Nicht verwunderlich diese Zusammmenarbeit: Die FPÖ in Linz stellte deswegen im Gemeinderat in Linz gar eine öffentliche Anfrage.
Fälschung von Vatikan-Dokumenten. Mit einem erfundenen Vatikan-Dokument zu einer vermeintlichen "konservativen" Liturgiereform hat die umstrittene Website "kreuz.net" neuerlich versucht, in Kirchenkreisen im deutschsprachigen Raum Verwirrung zu stiften. In dem am Donnerstag verbreiteten Text, der formal und inhaltlich als Instruktion der vatikanischen Gottesdienstkongregation dargestellt wurde, heißt es u.a., dass künftig alle Melodien und Texte nichtkatholischer Autoren aus katholischen Gebet- und Gesangbüchern zu tilgen seien.
Neues geistliches Liedgut und Anklänge an Popmusik seien künftig in der Liturgie verboten. Alle Neukompositionen seien in Rom zur Genehmigung vorzulegen. Ferner schreibt die angebliche Instruktion eine weitgehende Rückkehr zum Latein sowie das vorkonziliare, stille Rezitieren zentraler liturgischer Texte durch den Priester vor.
Dem gefälschten Dokument wurde von "kreuz.net" der lateinische Titel "Musicam sacram fovere" verpasst; damit wird der Titel einer Instruktion derselben Behörde aus dem Jahr 1967 imitiert, der "Musicam sacram" lautete. Im Vatikan war zu dem Vorgang keine Stellungnahme zu erhalten.
Grüß Gott aus Kalifornien. Einer juristischen Verfolgung entziehen sich die - sichtlich aus dem klerikalen Bereich stammenden - Autoren von "kreuz.net", indem sie meist anonym publizieren und technisch auf Server in den USA zurückgreifen. Der theoretische Betreiber der Website ist an einer Adresse im kalifornischen El Segundo beheimatet.
Pius-Bruderschaft. Für ihre Propaganda gelten nach ihren eigenen Äußerungen folgende Regeln: "Man propagiere keine unkatholischen Ideologien, wie z.B. Freimaurerei, Modernismus, Liberalismus, Sedisvakantismus, Atheismus, Sodomie, usw., und versuche auch nicht, Unwahrheiten als Tatsachen zu verkaufen." Und dann folgt das entscheidende Bekenntnis: "Die Moderatoren wissen sich geistig verbunden mit dem Flaggschiff der katholischen Tradition in dieser wohl größten Kirchennotzeit der Geschichte, dem Erzbischof Marcel Lefebvre und seinem Werk, der 1970 kanonisch errichteten Priesterbruderschaft St. Pius X., sind jedoch von dieser unabhängige Laien."
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