Falter veröffentlicht unzensierte Telefonprotokolle im Fall Grasser
Die Wiener Wochenzeitung Falter veröffentlicht in ihrer morgen Mittwoch erscheinenden Ausgabe ein umfangreiches Dossier mit den unzensierten Telefonprotokollen in der Causa Grasser. Die Dokumente sind Teil einer parlamentarischen Anfrage, die die Grüne Abgeordnete Gabriela Moser heute früh im Präsidium des Nationalrats eingebracht hat. Die Protokolle dürfen nach dem Mediengesetz veröffentlicht werden, da sie Teil von drei parlamentarischen Anfragen geworden sind, die dem Falter exklusiv vorliegen.
Die Dokumente, die im Falter ab 17 Uhr zu lesen sind und auf falter.at zum Download bereit stehen, geben der Korruptionsaffäre rund um den Verkauf von 60.000 Bundeswohnungen eine völlig neue Dimension. In mehreren Gesprächen zwischen den Grasser-Freunden Ernst Karl Plech und Walter Meischberger ist nachzulesen, wie sich die ehemaligen Berater des Ministers vor Polizeiverhören absprachen, Aussagen abstimmten, Dokumente schredderten und ehemalige FPÖ-Minister, etwa Dieter Böhmdorfer warnen wollten. Mehrer Firmen hatten massive Provisionen ins Umfeld Grassers überwiesen, als staatliche Immobiliendeals anstanden.
Unverhohlen sprechen die Beschuldigten nun darüber, dass horrende Honorare für Übersiedlungen von Beamten aus Staatsimmobilien in private Immobilien der Porr flossen.
Karl Heinz Grasser, der sich bei anderer Gelegenheit als „supersauber“ bezeichnete, gibt seinem Trauzeugen Meischberger am Telefon ausführliche Tipps, wie der vor den Behörden aussagen soll. Der Dialog widerspricht den Beteuerungen Grassers, er habe mit Meischberger gebrochen. Auch über ein Treffen mit Ex-Porr-Chef Horst Pöchhacker, dem heutigen Aufsichtsrat der ÖBB, wird diskutiert. Meischberger selbst bezeichnet sich einmal als „supernackt“, weil er keine Ahnung hat, wofür er Hunderttausende Euro kassiert hat.
Die Beschuldigten, so heißt es in einem Polizeibericht zusammenfassend, hätten sich „verabredet“. Grasser habe sich mit Meischberger vor dem Verhör „beraten“. U-Haft stand im Raum, wurde aber nicht verhängt. Die Grüne Abgeordnete Moser wittert nun eine bevorzugte Behandlung des Ex-Finanzministers und seiner Freunde.
Der Falter veröffentlicht nur jene Protokolle, die von öffentlichem Interesse sind, weil sie auf Missstände in der staatlichen Verwaltung hindeuten. Die schutzwürdigen Interessen der Betroffenen werden gewahrt, private Telefongespräche, etwa im Familienkreis, werden nicht veröffentlicht.
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