Der 15. Todestag einer unvergesslichen Österreicherin: Herta Firnberg
Bei der Reform des Universitätsorganisationsgesetzes (UOG), mit dem Ziel die demokratischen Entscheidungsprozesse zwischen ProfessorInnen, AssistentInnen und Studierenden zu sichern, hatte Hertha Firnberg mit den größten Widerständen zu kämpfen. Doch sie ließ sich durch den massiven Druck nicht abhalten und konnte schlussendlich das Recht aller auf Mitbestimmung durchsetzen. 1972 werden mit einer Novelle zum Hochschultaxengesetz die Studiengebühren abgeschafft. Ein Thema das uns bis in die jüngste Zeit wieder beschäftigte. Darüber hinaus lieferte sie neue Impulse für die Forschung, erreichte eine höhere Dotierung des Forschungsbudgets und errichtete neue universitäre Planstellen. Auf Hertha Firnbergs Initiative geht auch ein neues Denkmalschutzgesetz, die Errichtung des Ephesos-Museums und des Museums Moderner Kunst zurück.
In ihrer Funktion als sozialdemokratische Frauenvorsitzende, die sie bis 1981 innehatte, machte sie sich vor allem stark für die Reform des Familienrechtes, für die qualifizierte Ausbildung von Mädchen und die Gleichberechtigung der Frauen im Beruf, aber auch innerhalb der eigenen Partei. Während dieser Zeit hat sich frauenpolitisch mehr verändert als in all den Jahren zuvor seit dem Bestehen der Zweiten Republik. Die zwei wesentlichsten Reformen in den 1970er-Jahren gehen auf die Bemühungen Hertha Firnbergs zurück: Die Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs durch die Fristenregelung und die Gleichstellung der Geschlechter durch die Familienrechtsreform. Denn bis 1975 stammten wesentliche Teile des alten Familienrechts, wonach der Mann als "Haupt der Familie" beispielsweise seiner Frau die Berufstätigkeit untersagen konnte, noch aus dem Jahr 1811. Immer wieder hat Hertha Firnberg darauf hingewiesen, wie beschämend es sei, dass die Stellung der Frau in der Ehe von einem Gesetz bestimmt wird, das 150 Jahre alt ist. Dass das Recht auf Arbeit kein männliches ist, dass Schulfreifahrten und Gratis-Schulbücher zur Verfügung stehen, das alles stand auf ihrer Agenda.
Ihre Politik wäre als Frauenpolitik zu eng beschrieben. Ihre Arbeit war eine für die ganze Gesellschaft, für das ganze Österreich, nicht zuletzt deshalb weil die Chancengleichheit für Frauen aus derselben Triebkraft gespeist waren mit der sie für eine Demokratisierung der Gesellschaft und gegen jedwede Privilegierung durch Einkommen, Stand und eben auch Geschlecht gewirkt hat.
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