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Cum together! Pornografie gilt nicht mehr als frauenfeindlich

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Satte 2000 Euro Gage für ein bisschen Bumsen. Den Protagonisten in Michael Glawoggers Film „Nacktschnecken“ erscheint das als ein gutes Geschäft. „A Video, verstehst. Studenten und Studentinnen. So Sex und so. Technisch gor net aufwendig. So wie jeder halt so filmt im Urlaub. Oba scho richtig“, instruiert „Produzent“ Schorsch. Fesche Mädeln, geile Burschen, eine Videokamera und eine Location: Was braucht man mehr für einen Porno; ist doch kein Geheimnis, wie so etwas funktioniert. Trotzdem scheitern die Selfmade-Pornografen kläglich. Dass Sex vor der Kamera harte Arbeit bedeutet, hatten sie nicht gedacht.

Jeder weiß, was Pornografie ist. Und fast jeder hat eine Meinung dazu; allerdings ohne zugeben zu wollen, sich mit Pornos gut auszukennen. Was würde das über einen verraten? Dass man viel Zeit mit Onanieren verbringt? Dass es der eigenen Beziehung an Erregung mangelt und daher externe Stimulation hermuss? „Das hab ich nicht notwendig“, lautet eine der häufigsten Antworten auf die Frage nach Pornovorlieben, knapp gefolgt von „Kennst du einen, kennst du alle“. Grundsätzliche Ablehnung aber ist in der jüngeren Generation auch nur noch selten zu hören, auch wenn sich Frauen auffällig defensiver äußern. Niemand möchte als verklemmt oder unliberal dastehen. Das Prädikat „frauenfeindlich“ ist aus der Diskussion gänzlich verschwunden. Schließlich ist Pornografie im zeitgenössischen Alltag omnipräsent.

Egal, ob in Werbung, Mode oder Videoclips, „Porno-Chic“ feiert einen Siegeszug quer durch Medien und Genres. Die Aufmachung von Pornostars scheint heute als undeklariertes Massenvorbild zu dienen. Oder wie ist es zu verstehen, wenn TV-Moderatorin Oprah Winfrey die im Film „Der Vorleser“ entblößten Brüste von Kate Winslet dafür preist, dass sie noch nicht mit Silikon aufgeblasen wurden? Waren Jugendliche früher stolz auf ihren „erwachsenen“ Schamhaarbewuchs, so wird er heute – wie die Pin-up-Strecken des Jugendmagazins Bravo zeigen – peinlich genau entfernt. In HipHop-Videos klebt die Kamera an den aufgepimpten Tänzerinnen. Und wer empört sich heute noch über entblößte Genitalien im Fernsehen? Wir haben eine Hornhaut gegenüber Nacktheit entwickelt. Was Alice Schwarzer als gefährliche „Pornografisierung der Gesellschaft“ anprangert, könnte man auch einfach als eine Trivialisierung der Sexualität ansehen, in deren Befreiung kein Heilsversprechen mehr liegt.

Aber wie geht diese Abstumpfung mit der Dauerkonjunktur von Pornofilmen zusammen? „Black Sex“, „Latinas“, „Asian“, „Big Butt“, „Busen“, „Dildo-Play“, „Anal“, „Cumshot“, „Amateur Casting“ oder „Gangbang“ lauten die Kategorien im regulären Pornofilmregal eines Wiener Sexshops. In den Fächern für Spezialitäten kommen Unterteilungen wie „Teeny“, „Oma & Opa“, „Transsexuelle“, „Fußfetisch“, „Kaviar & Natursekt“, „Bondage“, „Facesitting“, „Rubber“, „Klinik“ oder „Windeln“ hinzu. Diese Auswahl erscheint unappetitlich, aber schon Sigmund Freud hat die Entwicklung der menschlichen Sexualität als „polymorph pervers“ bezeichnet.

Im Vergleich zu den unzähligen obszönen Darstellergrimassen wirken die Covers im Homosexuellenangebot fast harmlos: frischgeduschte Jungs mit Sixpacks, beachtlichen Penissen und einladendem Lächeln. Freilich werden auch dort spezielle Praktiken und Produktionsfirmen wie „Spritzz“ oder „Wurstfilm“ extra geordnet. Ein eigenes Fach „Frauenporno“ sucht man indes vergeblich. „Oben neben dem Eingang bei dem Material für Paare“, informiert der Verkäufer. Unter Anleitungsfilmen wie „69 Stellungen“ oder „Tantra Sex“, die neben der Tür als Lockmittel positioniert sind, finden sich nach längerem Suchen schließlich ganze zwei Filme der Regisseurin Petra Joy.

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Eingetragen von Hansito vor 3 Jahre 12 Wochen
Kategorie: Kultur   Tags:

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