Cancion Protesta: Mercedes Sosa †
Die argentinische Sängerin Mercedes Sosa ist tot. Sie wurde 74 Jahre alt und starb am 4. Oktober 2009. Sosa hatte mehr als vier Jahrzehnte lang die Musik Lateinamerikas geprägt. Im deutschsprachigen Raum wurde sie Mitte der Achtziger Jahre mit Liedern wie "Gracias a la vida" und "Cancion con todos" bekannt.
Der Leichnam der populären wie engagierten Künstlerin, die die Zeit der Militärdiktatur in ihrem Heimatland im spanischen Exil verbracht hatte, wurde im argentinischen Parlament aufgebahrt. In Buenos Aires kamen tausende Menschen in das Parlamentsgebäude. Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner traf sich am Sarg mit den Angehörigen der Verstorbenen. Zuvor hatte sie für Argentinien eine Staatstrauer ausgerufen. Bei allen Fußballspielen im Land wurde eine Schweigeminute abgehalten. In Venezuela sagte Staatschef Hugo Chávez, es sei nur Sosas Körper gegangen, sie selber aber bleibe. Südamerika werde die Sängerin immer im Herzen behalten. Der bolivianische Kulturminister Pablo Groux sagte, Sosa habe immer an der Seite der Armen gestanden. Die kolumbianische Pop-Sängerin Shakira, die mit Sosa mehrere Duette aufgenommen hatte, sagte, Sosa habe "die größte Stimme und das größte Herz für die Leidenden" gehabt. Auch die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet würdigte die Sängerin.
Die Bewegung "Nuevo Cancionero", die sie mitbegründete, vitalisierte und politisierte die südamerikanische Folklore. Mit einer hochexpressiven Stimme und poetischen Liedern wie "Gracias a la vida" sang sich die Argentinierin nicht nur in die Herzen ihrer Landseute; damit wurde sie aber auch zu einer Ikone der europäischen Linken.
Im Oktober 1950 nahm Mercedes Sosa unter dem Pseudonym „Gladys Osorio“ an einem Wettbewerb des lokalen Radiosenders LV12 teil und gewann einen zweimonatigen Vertrag. Die "Flower-Power-Zeit" der Hippies in Kalifornien und Protestsängerinnen wie Joan Baez, waren es, die das Mädchen aus der argentinischen Provinzhauptstadt San Miguel de Tucuman faszinierten und inspirierten. Stark beeinflusst von den sozialen und politischen Forderungen der damaligen Dichterelite Lateinamerikas wie Pablo Neruda, Victor Jara oder Alfredo Zitarosa, wurde sie Vorreiterin der "cancion protesta" - ein als Volkslied verkleidetes soziales Sprachrohr, das sich auch kräftig in die argentinische Politik zu Zeiten der Militärdiktatur einmischte.
Ihre erste LP erschien 1965 unter dem Titel „Canciones con fundamento“ bei dem unabhängigen Label ihres Mannes Manuel Oscar Matus. Ihr nationaler Durchbruch gelang Mercedes Sosa 1965 auf dem „Festival Nacional de Folklore de Cosquín“. Zwei Jahre später gab sie bereits weltweit Konzerte, u. a. in Miami, Lissabon, Porto, Rom, Warschau, St. Petersburg, Kislovo, Sochi, Gagri, Baku und Tiflis.
YouTube: Mercedes Sosa - Sólo le pido a dios w/ León Gieco in 1984
Als Sänger wie Leon Gieco 1976 von den Militärdiktatoren aus Argentinien verbannt wurden, machte sich Sosa in Europa mit deren Liedern zur Botschafterin der Freiheit. 1978 wurde sie selbst bei einem Konzert in Mar del Plata auf offener Bühne verhaftet und mit einem Aufführungsverbot belegt. Aber sie war nicht nur politisch. "La Negra", die Schwarze, wie sie von Freunden genannt wurde, wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und hat nie den Kontakt zu ihren Wurzeln verloren. Nach dem Ende der Diktatur rückten diese immer mehr in den Vordergrund.
Das Liedgut von Mercedes Sosa war bestimmt durch das Liedgut und die Traditionen ihrer indianischen Vorfahren. Als "Pacha Mama", Mutter der Erde, wurde sie von den Indigenas gefeiert. Insgesamt hat Sosa über 70 Alben veröffentlicht, das letzte erschien vor wenigen Monaten in Argentinien. Trotz ihrer seit Jahren angegriffenen Gesundheit stand sie bis vor kurzem immer wieder auf der Bühne.
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