"Bock for President" - Viennale zeigt Dokumentarfilm über Flüchtlingshelferin Ute Bock
«Wenn ich nicht mehr kann», wird die Wiener Flüchtlingshelferin Ute Bock im Abspann dieses Films sagen, «möchte ich eine gütige Straßenbahn erwischen, die mich zusammenführt.» Einer entschiedenen Handbewegung folgt ein spitzes Lachen. Verdichtete Bilder wie dieses gibt es in Bock for President zuhauf. Da überlagert sich einiges: Grenzenlose Hilfsbereitschaft und die permanente Überlastung der eigenen Möglichkeiten. Psychischer Dauerstress und rauer Humor. Schließlich die dramatischen Defizite staatlicher Migrationspolitik und eine einfache Frau, die diese Lücken als höchstpersönliches, schillerndes Zeichen permanent signalisiert.
Einen Film über Frau Bock zu drehen ist ein gewaltiges Unterfangen. Nicht aus logistischer Sicht, das Epizentrum ihrer Arbeit lässt sich ganz gut eingrenzen. In ihrem Vereinsbüro in Wien in der Großen Sperlgasse arbeitet die Pensionistin fast rund um die Uhr, dort übernachtet sie oft auf einem Klappbett. Dass Frau Bock niemals Nein sagen kann, weiß jeder, sogar sie selbst. Ihr Verein stellt hunderten Flüchtlingen Wohnungen zur Verfügung, versorgt Menschen, die plötzlich vor der Türe stehen: nach Hungerstreiks einfach entlassen, in der Bundesbetreuung nicht mehr erfasst, verängstigt vor Behörden oder schlicht verzweifelt. Für einen kleinen Betrieb, für eine rastlose Frau, kaum zu bewältigende Aufgaben. Eine Welt voller unsichtbarer Schicksale, dramatischer Biografien, kaum verständlicher Rechtsnormen, spontaner Entscheidungen.
Das in einen Film zu packen, ist kein leichtes. In Bock for President ist es nicht immer einfach, sich zurechtzufinden. Menschen kommen und gehen, oft anonym, nur mit biografischen Spuren versehen, Schauplätze wechseln unvermittelt, manches lässt sich erahnen, Szenen verstören durch ihre Uneindeutigkeit. Dazwischen Frau Bock, auf Solidaritäts-Festen, auf Besuch bei Familien, eingegraben in ihrem Büro zwischen wuchernden Papierbergen. Auch ein paar private Einsprengsel mischen sich in den Film, Frau Bock erinnert sich mit ihrer Schwester an das Elternhaus. Die Frage, wer diese Frau Bock eigentlich ist, wird durch ihr eigenes Tun beantwortet. Das Private und das Politische, also ihre Arbeit, lassen sich nicht trennen. (Gunnar Landsgesell)
HOUCHANG ALLAHYARI, TOM-DARIUSCH ALLAHYARI
Houchang Allahyari wird in Teheran geboren. Studiert Medizin in Wien und arbeitet viele Jahre als Psychiater. Nach frühen experimentellen und avantgardistischen Arbeiten dreht er kommerziell erfolgreiche Spielfilme wie Fleischwolf (1990), I Love Vienna (1991), Höhenangst (1994), Geboren in Absurdistan (1999). Tom-Dariusch Allahyari ist bei zahlreichen dieser Filme als Regieassistent tätig und produziert Beiträge für die Kulturabteilung des ORF, u.a. über die «zweite Generation» und Einflüsse iranischer Kultur in Österreich.
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