Schweizer Referendum: Vier Minarette und ein Verbot
Der junge Mann im Zug zwischen Zürich und Genf konnte es nicht fassen. Gerade hatte er mit einem Bekannten telefoniert. „Das kann doch nicht wahr sein. Was ist mit diesem Land eigentlich los?“, rief er erregt in sein Handy. Es ging um das Resultat der Volksabstimmung über die sogenannte Anti-Minarett-Initiative, mit der der weitere Bau von Minaretten in der Schweiz verboten werden sollte: Die Vorlage der konservativen Splitterpartei Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) und ihres mächtigen Verbündeten Schweizerische Volkspartei (SVP) hatte eine überwältigende Zustimmung erhalten. Das Establishment im Lande hatte diese Möglichkeit lange nicht wahrhaben wollen, und die Meinungsumfragen hatten ein solches Ergebnis zumindest nicht klar vorhergesehen.
Das Ergebnis spricht indes eine klare Sprache. Nicht nur eine Mehrheit der Stimmbürger, sondern auch der Kantone stimmte für das Ansinnen der Nationalkonservativen, in den Artikel 72 der Schweizer Bundesverfassung, der das Verhältnis zwischen Kirche und Staat regelt, folgenden Satz aufzunehmen: „Der Bau von Minaretten ist verboten.“ Eine deutliche Mehrheit gab es nicht nur in konservativen Kantonen wie Glarus mit 69 Prozent oder Nidwalden mit 63 Prozent. Auch städtische Kantone wie Schaffhausen oder der Aargau im Einzugsbereich von Zürich meldeten Ergebnisse von 63,5 Prozent und 64 Prozent für die Initiative. Einzig in Basel und drei französischsprachigen Kantonen - in Genf, Waadt und Neuenburg - fand sich eine Mehrheit gegen das Bauverbot für Minarette.
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