Die Presse: Faymann verhinderte EU-Außénminister Gusenbauer
Werner Faymann verdrängte Alfred Gusenbauer zuerst vom Kanzleramt und verhinderte dann, dass dieser Vizepräsident der EU-Kommission und EU-Außenminister wird. In der sozialdemokratischen EU-Fraktion galt er als aussichtsreicher Kandidat, was Faymann stets leugnete. Die Chronologie einer "Demontage unter Freunden".
Er mochte das Sofi-Tel am Place Jourdan. Vom Brüsseler Designer-Hotel aus spazierte Alfred Gusenbauer gerne hinüber zu den EU-Institutionen und zu seinen Sitzungen mit den sozialdemokratischen Parteikollegen. Hier fühlte er sich wohl, hier wurde er akzeptiert. Wirkten andere österreichische Politiker auf dem Brüsseler Parkett verkrampft, so lebte Gusenbauer sichtlich auf, sobald er die EU-Hauptstadt betrat.
Bei einem gemeinsamen Frühstück im Sofi-Tel am Rande seines letzten EU-Gipfels wurde der Unterschied noch deutlicher: Gusenbauer gab den Parade-Europäer und schwebte über den innenpolitischen Spielchen, die er als seicht bezeichnete. Da war seine Zeit als Bundeskanzler bereits abgelaufen. Von der EU-Kritik, mit der er via Leserbrief an die „Kronen Zeitung“ noch versucht hatte, seinen Kopf zu retten, wollte er nichts mehr wissen.
So wie Wolfgang Schüssel, so wie Wilhelm Molterer und Ursula Plassnik signalisierte er Interesse an einem Job in den EU-Institutionen. In den Monaten danach sollte er näher an diesem Ziel sein, als er es je erhoffen durfte. Er hatte Chancen auf einen der höchsten Posten der Europäischen Union: den EU-Außenminister, der gleichzeitig als Vizepräsident der EU-Kommission fungiert. Verhindert wurde Gusenbauers mögliche neue Karriere auch von seinem Nachfolger Werner Faymann.
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