Video: Bunga Bunga mit Berlusconi
Italien schwankt wegen des neuen Sexskandals zwischen Entsetzen und Lachen. Am einfachsten ist es wohl, sich über den Premier Silvio Berlusconi lustig zu machen.
Elio hat sich schick gemacht. Der Sänger ist mit seiner Band "Elio e le Storie Tese" (Elio und die ernsten Geschichten) zu Gast im dritten Programm des italienischen Staatssenders Rai Tre. Mit seinem roten Glitzerjackett sieht er wie ein Italo-Popstar der 70er-Jahre aus.
Als die Moderatorin ihn fragt, was er davon hält, dass Premier Silvio Berlusconi Sexpartys unter dem Titel Bunga-Bunga abhalten soll, winkt er ab: "Das sind wichtige Fruchtbarkeitsrituale." Dann setzt seine Band ein. Zur Melodie von Shakiras Fußball-WM-Hit Waka Waka singt er: Bunga-Bunga.
Italien lacht über Berlusconi. Und Elios Band hat den Soundtrack dazu geschrieben. Seit der Aufzeichnung der Sendung am Donnerstagabend wurde das Video bei Youtube mehrere hundertausendmal geklickt. "Manchmal muss man einfach nur erzählen, was passiert, um lustig zu sein", sagt Bassist Faso nach dem Auftritt.
Bunga-Bunga. Die zwei Worte reichen aus, um den aktuellen Sexskandal Berlusconis zu umreißen. Der bis Sonntag noch minderjährigen Marokkanerin Ruby Rubacuori zufolge soll Berlusconi so seine Sexpartys nennen. Laut Zeitungsberichten hat Ruby der Staatsanwaltschaft zu Protokoll gegeben, wie das abläuft: Schöne Frauen kommen zum Essen, der Hausherr erzählt Witze, verteilt Geschenke. Am Ende sind alle nackt. Auch Ministerinnen. Ruby steht zwar im Ruf, Lügen zu erzählen. Aber vieles an ihrer Geschichte klingt schlüssig.
Es ist nicht das erste Mal, dass Berlusconis Eskapaden zum Thema werden. Vergangenes Jahr reichte seine Frau Veronica Lario die Scheidung ein, weil ihr Angetrauter sich weigerte, die Art seiner Beziehung zur minderjährigen Noemi zu klären. Später wurde bekannt, dass ein Lobbyist Prostituierte zum Abendessen mit Berlusconi schickte. Die Eskortdame Patrizia D'Addario erklärte, der heute 74 Jahre alte Premier sei unersättlich im Bett, "wie ein Stier".
Berlusconi reagiert auf Enthüllungen mit halbherzigen Dementi. "Ich bin kein Heiliger", sagte er vergangenes Jahr. Nun erklärt er: "Ich bin ein fröhlicher Mensch, ich liebe das Leben und die Frauen. Niemand wird mich dazu bringen, meinen Lebensstil zu ändern. Ich bin stolz darauf."
Der aktuelle Vorwurf hat Brisanz. Nicht allein, weil Staatsanwälte den Verdacht hegen, Männer aus dem Umfeld Berlusconis hätten Ruby zur Prostitution angestiftet. Es geht um Lügen, die Berlusconi erzählt haben soll, als Ruby Ende Mai von der Polizei wegen einer Diebstahlsanzeige festgenommen wurde. Es sei die Nichte von Ägyptens Präsident Hosni Mubarak, habe Berlusconi persönlich am Telefon Beamten erklärt, schreiben Zeitungen unter Berufung auf Polizeiakten. Der Premier äußert sich nicht zu dem diplomatischen Skandal. Bestätigt ist aber, dass er die 25-jährige Nicole Minetti beauftragte, Ruby von der Polizei abzuholen. Minetti, einst Showgirl und heute Regionalabgeordnete, hat sich dabei als Delegierte des Regierungspalastes ausgegeben.
Italien spult nun das Standardprogramm des nationalen Entsetzens ab. Die Opposition fordert den Rücktritt. Eine vatikannahe Zeitung bezeichnet Berlusconi als krank. Der Industrieverband Confindustria warnt vor Reformstillstand.
Die Band rund um Sänger Elio findet alles weniger dramatisch. "Der italienische Organismus hat hervorragend gelernt, die schlimmsten Dinge zu verdauen", sagt Bassist Faso. Er ist überzeugt: Am Ende wird doch alles so bleiben, wie es ist. Die Band will sich treu bleiben und den Song nicht vermarkten: Man würde etwas verkaufen, was eigentlich traurig ist.
Text via FTD.de - http://www.ftd.de/lifestyle/outofoffice/:out-of-office-bunga-bunga-mit-b...
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