Verunsicherte Linke: Lafontaines Krebs-Bekenntnis entfacht Nachfolge-Debatte
Über seine Krankheit verliert Oskar Lafontaine kein Wort: Stattdessen legt der Chef der Linken einen Tag vor seiner Krebsoperation einen kämpferischen Auftritt im saarländischen Landtag hin. Doch in der Partei brodelt es - die Debatte um seine Nachfolge ist in vollem Gange.
Saarbrücken/Berlin - Er will sie durchziehen, die Lafo-Show, auch an diesem Tag. Mit entschlossenem Schritt entert Oskar Lafontaine den Sitzungssaal, ignoriert die Kameraleute und Fotografen, die hinter ihm herhasten, ihn sofort einkesseln, als er seinen Abgeordnetenplatz im Landtag von Saarbrücken erreicht hat. Der 66-Jährige setzt sich, flüstert mit seinen Genossen, als wäre nichts, lächelt ab und an sein spöttisches Lächeln.
Mittags ist es an ihm, dem Fraktionsführer der Linken, auf die Regierungserklärung von Peter Müller (CDU) zu antworten. Dem neuen alten Ministerpräsidenten, der jetzt einer Jamaika-Koalition vorsitzt. Lafontaine stützt sich aufs Rednerpult, mal mit beiden Händen, mal nur mit dem Ellbogen, es wirkt ein bisschen angestrengt. "Sie sind den Herausforderungen dieses Landes nicht gewachsen", setzt er an, doch seine Stimme klingt rau. Fahrig malen die Hände Kreise und Ausrufezeichen in die Luft.
Lafontaine scheint sich zu zwingen, auf keinen Fall Schwäche zu zeigen. Langsam läuft er sich warm. "Der eingeschlagene Weg führt in die Katastrophe", poltert er irgendwann in gewohnter Lautstärke. Dann hält er dem Grünen-Landesschef Hubert Ulrich noch mal genüsslich dessen berufliche Verbindungen zum Unternehmer Hartmut Ostermann vor Augen. "Wo hat dieser Kerl überall die Finger drin?", ruft Lafontaine. Ulrich hatte bis Oktober nebenberuflich für ein IT-Unternehmen gearbeitet, an dem Ostermann beteiligt ist. Ostermann wiederum saß in seiner Funktion als FDP-Kreisvorsitzender zeitweise mit dabei, als die Jamaika-Koalition sondiert wurde.
Lafontaine, der Vollblutpolitiker, ist jetzt voll in seinem Element. Mit lustig blitzenden Augen liefert er sich ein kurzes, giftiges Wortgefecht mit Ulrich. Die Lacher sind am Ende auf seiner Seite.
Über seine Erkrankung - kein Wort. Dabei ist klar: Am Donnerstag wird er sich in eine Klinik begeben, um sich operieren zu lassen. Wegen eines Krebsleidens, das hatte er am Dienstag mitgeteilt. Es ist Prostatakrebs, meldet die
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