USA: Ende des "Fuck"-Verbots in TV und Radio
Ein New Yorker Gericht hebt strenge Vorschriften gegen Schimpfwörter im Rundfunk auf. Die Vorschriften verstießen gegen die Meinungsfreiheit, befanden die Richter. US-Medien freuen sich über ihre neue Freiheit.
Washington. Eine Orgie an Pieptönen prasselte neulich auf das TV-Publikum ein, als die US-Stationen Mitschnitte von Mel Gibsons Schmähtiraden gegen seine Exfreundin Oksana Grigorieva sendeten. Sie legten nicht nur einen rassistischen Unterton bloß, sondern auch den derben Umgangston des Hollywoodstars, der nach antisemitischen Ausfällen nun erneut um seine Karriere bangen muss. Jeder Fluch, jedes „Fucking“ wurde nach bewährter Manier übertönt beziehungsweise in schriftlichen Zitaten mit Auslassungszeichen versehen.
Selbstzensur der Medien
Als öffentlich gebrandmarkter Schimpfer reicht der Filmstar beinahe an Rod Blagojevich heran. Der ehemalige demokratische Gouverneur von Illinois brachte es zuwege, in Telefonaten um die Verschacherung des Senatspostens Barack Obamas ein Stakkato an Schimpfworten abzufeuern: Vom Präsidenten abwärts belegte er jeden mit der Invektive „Fucking“. Halb amüsiert, halb peinlich berührt reagierten die Amerikaner auf die Schimpfkanonade des Politikers, der derzeit in Chicago wegen des vermeintlichen Politdeals vor Gericht steht.
Jetzt gibt es gute Nachrichten für Gibson, Blagojevich & Co., vor allem aber für die TV-Sender. Ein Berufungsgericht in New York hob die Quasiselbstzensur auf, die die US-Medienaufsicht Federal Communications Commission (FCC) den TV- und Radiostationen auferlegt hatte. Die Vorschriften gegen Fluch- und Schimpfwörter verstießen gegen die Meinungsfreiheit, befanden die Richter in einem einhelligen Urteil. Die FCC wird sich nun wahrscheinlich an die letzte Instanz wenden, an den Obersten Gerichtshof.
Die US-Medien freuen sich indessen über ihre neue Freiheit. Mit einer Strafe von bis zu 325.000 Dollar schlug jedes Schimpfwort zu Buche, das über den Äther ging. In den vergangenen Jahren hat die FCC über die Stränge geschlagen. Seit Popstar Bono bei der Verleihung der Golden Globes einen freudigen Fluch ausstieß und Janet Jackson während der Super-Bowl-Pause 2004 vor rund 100 Millionen Amerikanern eine Brust entblößte, werden Liveübertragungen mit einer Verzögerung von ein paar Sekunden gesendet.
An der Praxis, Pieptöne statt Flüche auszustrahlen, wird sich allerdings vorerst wenig ändern. Satiriker wie der TV-Moderator Jon Stewart haben sich schon bisher einen Spaß daraus gemacht, mit der Prüderie zu spielen. Und der für seine verbalen Ausrutscher bekannte Vizepräsident Joe Biden sorgte für Heiterkeit, als er die Gesundheitsreform als „verdammt wichtigen Deal“ würdigte.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2010)
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